60 Jahre Manufakturtradition in der Krise – Niro Petersen stellt Insolvenzantrag
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Ein Name, der in der Yachtbranche seit Jahrzehnten für Qualität und Innovation steht, gerät ins Wanken: Die Niro Petersen GmbH, spezialisiert auf hochpräzise Beschläge und Edelstahllösungen für Yachten und Boote, ist unter vorläufige Insolvenzverwaltung gestellt worden. Die Niro Petersen GmbH hat beim Amtsgericht Flensburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen gestellt. In der Folge wurde eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Arno Doebert bestellt. Künftig dürfen finanzielle Verfügungen des Unternehmens nur noch mit seiner Zustimmung erfolgen – auch das Einziehen offener Forderungen ist davon betroffen.
Pionierarbeit „Made in Germany“
Gegründet im April 1965, zählt Niro Petersen zu den renommiertesten Manufakturen der Branche. In Flensburg entstehen mit höchster Präzision gefertigte Komponenten aus A4-Edelstahl: von Klüsen über Klampen bis hin zu Relings und eleganten Bordmöbeln. Auch in der Reha-Ausstattung setzt das Unternehmen Maßstäbe – durch exzellentes Design, robuste Verarbeitung und Langlebigkeit.
Der gesamte Produktionsprozess – von der Werkzeugherstellung bis zum finalen Finish – liegt in den Händen der Manufaktur. Rund 1.500 Serienprodukte sowie individuelle Lösungen für Werften und Privatkunden weltweit stammen aus dem modern ausgestatteten Werk am Brauereiweg.
Ein Firmenname mit Geschichte
Die Marke „Niro Petersen“ steht nicht nur für handwerkliche Qualität, sondern auch für juristische Cleverness. 1990 forderten Anwälte des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp die Entfernung des Begriffs „Niro“ aus dem Firmennamen – dieser sei rechtlich geschützt. Firmengründer Gerd Petersen reagierte mit einem ungewöhnlichen Schachzug: Er ließ seinen Namen offiziell ändern und ergänzte ihn um „Niro“. So wurde aus Gerd Johannes Petersen schließlich Gerd Johannes Niro Petersen – und der Firmenname blieb bestehen. Ein Präzedenzfall mit Augenzwinkern, der zum Markenkern wurde.
Ungewisse Zukunft
Wie es mit dem familiengeführten Unternehmen weitergeht, ist derzeit unklar. Die Insolvenzverwaltung wird nun prüfen, ob eine Sanierung möglich ist oder ein Verkauf bevorsteht.
Auf telefonische Nachfrage bei Niro Petersen erklärte man gegenüber foerde.news, dass man sich aktuell noch nicht äußern könne, da alles noch sehr frisch sei. Man bat um Verständnis und verwies auf einen späteren Zeitpunkt: „Bitte fragen Sie nächste Woche noch einmal nach.“
Ein Rückschlag für einen Betrieb, der auf seiner Website noch mit stolzgeschwellter Brust formuliert: „Ihr Traum ist unser Antrieb – und das prägt unser Handwerk.“ Ob der Traum weiterleben kann, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
