Flensburger Grüne fordern Aufnahme verletzter Kinder aus Gaza und Israel
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Mit eindringlichen Worten haben sich Vertreterinnen und Vertreter von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (mit Volt) sowie Politiker aus Landes- und Europaparlament in einem offenen Brief an Flensburgs Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer gewandt. Die Verfasser fordern, dass sich Flensburg der bundesweiten Initiative zur Aufnahme verletzter und traumatisierter Kinder aus dem Kriegsgebiet Israel und Gazastreifen anschließt.
In dem Schreiben äußern die Fraktionsvorsitzenden Katja Claussen und Leon Bossen (Foto) gemeinsam mit dem Europaabgeordneten Rasmus Andresen und der Landtagsabgeordneten Catharina Nies ihre „wachsende Sorge“ über die humanitäre Eskalation im Nahen Osten. Besonders die Lage von Kindern, die unter dem anhaltenden Konflikt leiden, stehe im Zentrum der Aufmerksamkeit. Viele von ihnen seien verletzt, traumatisiert oder auf sich allein gestellt.

Fraktionsvorsitzender Leon Bossen steht für persönliche Gespräche mit dem Oberbürgermeister gerne zur Verfügung - Foto: die Grünen Flensburg
Vorbild für ihre Forderung sind mehrere deutsche Städte – darunter Hannover, Düsseldorf, Bonn, Leipzig und Kiel –, die bereits öffentlich ihre Bereitschaft signalisiert haben, betroffene Kinder aufzunehmen. Diese Städte, so die Initiatoren des Briefes, setzten damit nicht nur ein Zeichen konkreter Hilfe, sondern übernähmen auch „moralische und humanitäre Verantwortung“.
Die Autoren des Schreibens fordern Oberbürgermeister Geyer auf, sich dieser Linie anzuschließen – und zwar noch während der parlamentarischen Sommerpause: „Flensburg sollte sich dieser humanitären Aktion anschließen – jetzt“, heißt es wörtlich.
Besonderen Nachdruck erhält die Forderung durch einen Appell an die Verantwortung der Stadtspitze: In anderen Städten sei es insbesondere den Oberbürgermeisterinnen zu verdanken, dass die Hilfsinitiativen in Gang gesetzt wurden. „Humanitäres Handeln beginnt oft mit der Haltung und Entschlossenheit Einzelner“, schreiben die Politikerinnen.
Flensburg verfüge über die nötige medizinische Infrastruktur sowie über ein starkes zivilgesellschaftliches Netzwerk, das bereit sei zu helfen. Zudem verweist der Brief auf die bestehende Mitgliedschaft Flensburgs in der Initiative „Sicherer Hafen“, mit der sich die Stadt bereits in der Vergangenheit zu einer aktiven humanitären Rolle bekannt habe.
„Flensburg kann, wenn es will – und es sollte wollen“, heißt es abschließend. Die Initiatoren bieten Oberbürgermeister Geyer ihre Unterstützung für Gespräche, Organisation und politische Begleitung an.
Reaktion aus dem Rathaus
Auf Nachfrage unserer Redaktion am Montagmorgen äußerte sich Clemens Teschendorf, Pressesprecher der Stadt Flensburg, zu dem Anliegen:
„Die Not im Gazastreifen ist riesengroß und zahlreiche Kinder sind Betroffene des Konfliktes. Hier liegt es nahe, hilfsbedürftige Kinder aufzunehmen und ihnen einen sicheren Ort zu bieten. Gleichzeitig muss dies so geschehen, dass man den Kindern in der schwierigen Situation gerecht wird. Neben den offenen Fragen, die Bund und Land klären müssten (Sorgerecht, Inobhutnahme, Flug nach Deutschland etc.), müsste die aufnehmende Stadt über ein Netzwerk aus geeigneten Familien zur Betreuung sowie Möglichkeiten zur Unterbringung verfügen, die idealerweise über die notwendige Sprachkompetenz verfügen. Auch die medizinische Versorgung – Kinderärzte, psychologisch geschultes Personal – spielt hier eine zentrale Rolle, wenn den Kindern geholfen werden soll. Derzeit verfügt die Stadt nur bedingt über die notwendigen Rahmenbedingungen und unterscheidet sich damit von den deutlich größeren Städten, die bisher ihre Bereitschaft erklärt haben. Selbstverständlich wird Flensburg aber sein Möglichstes tun, um seinen Beitrag zu leisten, wenn konkrete Anfragen zur Aufnahme von betroffenen Kindern an die Stadt gerichtet werden.“
