Kunst statt Leerstand – Schaufenstergalerie bringt Farbe in verwaiste Ladenflächen

 |  von Thomsen / Foerde.news

Um den Leerstand in der Innenstadt entgegen zu wirken, werden Schaufenster scheiben von Künstler beklebt - Fotos: Thomsen

Flensburg – Leerstände gehören aktuell zum Stadtbild in Flensburgs Innenstadt. Doch statt trostloser Auslagen oder verhängter Scheiben zieht nun Kunst in verlassene Schaufenster ein. Mit dem Projekt „Deine Innenstadt, deine Ideen“ möchte das Innenstadtmanagement gemeinsam mit dem Stadtmarketing und lokalen Künstlerinnen und Künstlern frische Impulse setzen – visuell, kreativ und mit klarer Botschaft: Die Innenstadt lebt und verändert sich.

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Besonders prominent beteiligt: Die Flensburger Künstlerin Melina Grasso, die mit zwei großformatigen Kunstwerken die derzeit leerstehenden Flächen in der Innenstadt künstlerisch bespielt. Grasso setzte in enger Zusammenarbeit mit dem bekannten Hamburger Karikaturisten Ulf Harten auf maritime Motive – inspiriert vom Lebensgefühl der Fördestadt. Die Werke wurden zunächst auf Leinwand gesprüht, digitalisiert und anschließend auf die Schaufensterflächen aufgebracht.

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Mehr als ein Lückenfüller

„Wir freuen uns sehr, dass Melina Grasso (Foto) direkt bei den ersten beiden Flächen mitgemacht hat“, sagt Jennifer Berthge, Innenstadtmanagerin der Stadt Flensburg. Die Aktion ist Teil eines umfassenderen Plans: Weitere Künstlerinnen und Künstler sollen sich an der temporären Galerie beteiligen. Ziel sei es, nicht nur Leerstand zu kaschieren, sondern die Stadt als kulturellen Raum sichtbar zu machen.

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Dabei ist die Auswahl der Flächen entscheidend. „Eine Herausforderung ist es, geeignete Leerstände zu finden, die auch lange genug leerstehen“, erklärt Anne-Sophie Spenner vom Stadtmarketing. Aktuell sei dies jedoch leider kein seltenes Phänomen in der Innenstadt – was dem Projekt jedoch auch Chancen bietet.

Kunst im Umbau

Ein Beispiel ist die Fläche vom bereits 2013 geschlossenen Mau und Andresen Geschäft, in der künftig ein Geschäft der Modemarke Only & Sons eröffnen soll. „Wir wollten mit der Schaufenstergalerie Interesse wecken und gleichzeitig kommunizieren, dass hier etwas Neues entsteht“, so Berthge. Die Immobilie wird derzeit von der Hanseatic Group verwaltet, die das Vorhaben von Beginn an unterstützte.

Noch laufen dort umfangreiche Bauarbeiten – unter anderem sollen Fenster und Böden komplett erneuert werden. Einen konkreten Eröffnungstermin gibt es laut Projektverantwortlichen noch nicht, doch eine Eröffnung sei voraussichtlich gegen Ende des Jahres geplant.

Förderung mit Potenzial

Finanziert wird die Schaufenstergalerie über das städtische Förderprogramm „Deine Innenstadt, deine Ideen“, das kleinere und größere Projekte zur Belebung der Innenstadt unterstützt. Für die künstlerische Gestaltung der beiden Flächen wurden bislang rund 1.000 bis 2.000 Euro eingesetzt – vom Gesamtbudget in Höhe von 20.000 Euro ist also noch ein großer Teil verfügbar. Weitere Leerstände könnten somit folgen.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn sich noch mehr Eigentümer oder Verwalter melden“, betont Berthge. „Das Projekt hat viel Potenzial – sowohl künstlerisch als auch stadtbildprägend.“

Ein halbes Jahr vom Entwurf bis zur Folie

Die Zusammenarbeit zwischen Grasso und Harten dauerte mehrere Monate. „Das war ein echter Prozess“, erklärt die Künstlerin. Die Werke wurden nicht nur mit Sprühtechnik auf Leinwand erstellt, sondern auch gemeinsam entworfen, abgestimmt, fotografiert und schließlich für den Druck vorbereitet. „Es war das erste Mal, dass ich meine Werke in dieser Form habe reproduzieren lassen“, sagt Grasso. Die Originalleinwände sollen künftig in Galerien oder anderen kulturellen Einrichtungen erneut ausgestellt werden.

Bekannt ist Grasso in Flensburg bereits durch frühere Projekte, etwa im Rahmen der Freiraumgalerie, bei der sie die künstlerische Leitung innehatte. Ebenfalls hat sie die beiden Tunnel in Fruelund und Engelsby verschönert. Sowie die St-Jürgen Treppe im Johannisviertel. Die Idee der aktuellen Schaufenstergalerie knüpft daran an: Stadt als Leinwand – für kreative Köpfe und neue Perspektiven. Nur ein paar Meter weiter, in Richtung Südermartk, ist eine andere Leerstehende Immobilie beklebt worden.

Ausblick

Ob das Projekt langfristig fortgeführt werden kann, hängt auch davon ab, wie die Idee bei Eigentümerinnen und Eigentümern, dem Einzelhandel und den Bürgerinnen und Bürgern ankommt. Erste Reaktionen seien laut den Verantwortlichen jedoch vielversprechend. Interessierte Eigentümer oder Künstler können sich unter: innenstadtmanagement@flensburg.de melden.

„Wir merken, dass es Interesse gibt – auch über Flensburg hinaus“, so Spenner. „Und das ist genau das, was wir brauchen: Aufmerksamkeit für eine Innenstadt im Wandel.“