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Moderne Sensorik gegen Fremdwasser - TBZ untersucht Flensburger Kanalnetz
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Fremdwasser im Schmutzwasserkanal ist eine große Herausforderung für die kommunale Abwasserinfrastruktur. Regenwasser oder Grundwasser gelangen dabei unkontrolliert in die Schmutzwasserkanäle. Häufig sind falsch angeschlossene Regenfallrohre, Drainagen oder undichte Leitungen die Ursache. Die zusätzlichen Wassermengen belasten Kanäle, Pumpwerke und Kläranlagen erheblich und führen besonders bei starken Regenfällen zu Überlastungen im Gesamtnetz. Gleichzeitig steigen Energieverbrauch sowie Betriebs- und Reinigungskosten deutlich an.
Um diese Belastungen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu reduzieren, setzt das Technische Betriebszentrum (TBZ) Flensburg auf moderne Sensorik und intelligente Datenanalyse. Gefördert und begleitet wird das Pilotprojekt durch die Smarte Grenzregion zwischen den Meeren. Künftig ermöglichen die erhobenen Messdaten eine deutlich präzisere Überwachung des Flensburger Schmutzwasserkanalnetzes und eine gezieltere Lokalisierung von Fremdwasser.
Ein wichtiger Meilenstein des Projekts wurde kürzlich erreicht: Die Anbringung des letzten von insgesamt 75 Radarsensoren der Firma Nivus im Flensburger Stadtgebiet. Damit ist die erste Ausbaustufe der digitalen Fremdwassersuche abgeschlossen.
„Mit der Fremdwassersuche gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Stadtentwässerung“, erklärt Heiko Ewen, Geschäftsführer des TBZ. „Die Kombination aus dem Modell des Kanalnetzes, Sensortechnik und Datenanalyse eröffnet neue Möglichkeiten, Fehlanschlüsse und Fremdwassereinträge gezielt aufzuspüren.“
Intelligente Datenanalyse erkennt belastete Gebiete
Kern des Projekts sind die 75 installierten Radarsensoren. Sie messen kontinuierlich die Füllstände in ausgewählten Schmutzwasserschächten im Flensburger Stadtgebiet. Die Messdaten werden anschließend mit Regendaten sowie einem digitalen Modell des Flensburger Kanalnetzes verknüpft.
Mithilfe einer speziell entwickelten Analysesoftware lassen sich Teilbereiche identifizieren, in denen ungewöhnlich hohe Wassermengen auftreten. Bereits nach den ersten Regenereignissen konnten erste auffällige Gebiete im Flensburger Kanalnetz erkannt werden.
„Gemeinsam mit dem TBZ schaffen wir eine datenbasierte Grundlage, um Belastungen im Schmutzwasserkanalnetz frühzeitig zu erkennen und Ressourcen effizienter einzusetzen“, sagt Malte Zinke, Geschäftsführer der Digitalagentur Smarte Grenzregion GmbH.
Nach Abschluss der Analyse in den ersten Gebieten, werden die Sensoren gezielt in weitere Bereiche mit erhöhtem Fremdwasseraufkommen umplatziert. So kann die Herkunft des Fremdwassers auch dort weiter eingegrenzt und mögliche Fehlanschlüsse präzise lokalisiert werden.
Förderung durch die Smarte Grenzregion zwischen den Meeren
Realisiert wird das Projekt mit Unterstützung der Smarten Grenzregion zwischen den Meeren, die das Vorhaben mit rund 200.000 Euro fördert. Mit den Fördermitteln konnte die Sensortechnik der Firma Nivus GmbH angeschafft werden. Ergänzt wird das System durch eine Analysesoftware des dänischen Unternehmens BLUE NORTH.
Die Smarte Grenzregion zwischen den Meeren ist eine Modellregion des Bundesprogramms „Modellprojekte Smart Cities“. Gemeinsam treiben die Stadt Flensburg sowie die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland die Digitalisierung in der Region voran. Für die Umsetzung wurde die Digitalagentur Smarte Grenzregion GmbH mit Sitz in Flensburg gegründet.
