Neuer Wehrdienst beschlossen: Attraktiver Dienst? 2.300 Euro netto und Führerschein inklusive

 |  von Thomsen / Foerde.news

Frauen spielen im neuen Wehrdienstmodell nur eine freiwillige Rolle. - Foto: Thomsen

Bundeswehr – Der neue Wehrdienst soll mindestens sechs Monate dauern, maximal 23 Monate – mit Option auf Verlängerung als Zeitsoldat. Damit verbunden ist ein deutlich aufgestocktes Vergütungspaket: 2.300 Euro netto im Monat, steuerfrei und ohne Abzüge für Miete oder Krankenversicherung. Hinzu kommen mögliche Zuschüsse zum Führerschein, Bildungsangebote und Sprachkurse – das Verteidigungsministerium spricht von einer „attraktiven Einstiegsofferte“.

Verteidigungsminister Boris Pistorius hofft, mit dieser Kombination aus finanzieller Entlastung und Perspektive mehr junge Menschen für einen längeren Dienst zu begeistern. „Es geht nicht nur um Pflicht, sondern um ein Angebot mit Wert“, heißt es aus seinem Haus.

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Veraltete Infrastruktur, moderne Ansprüche

Doch Experten warnen vor einem Realitätsschock. Die einstige Wehrbeauftragte Eva Högl hatte in ihrem letzten Jahresbericht beklagt, viele Kasernen seien in einem Zustand, der junge Menschen eher abschrecke als motiviere: Schimmel in den Duschen, kein WLAN, marode Gebäude. Die Frage stellt sich: Wie glaubwürdig ist ein attraktiver Dienst, wenn die Infrastruktur nicht mithalten kann?

Frauen als Freiwillige – oder bald doch mehr?

Frauen spielen im neuen Wehrdienstmodell nur eine freiwillige Rolle. Zwar hieß es im ursprünglichen Entwurf noch, der Anteil von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund solle gezielt erhöht werden – in der finalen Fassung fehlt diese Passage. Sollte die Wehrpflicht reaktiviert werden, gilt sie nach aktuellem Stand weiterhin ausschließlich für Männer. Eine Gleichstellung wäre nur durch eine Grundgesetzänderung möglich – und die ist derzeit nicht in Sicht.

Zugriff auf Reservisten – mit Hindernissen

Ein weiterer Baustein des Konzepts ist die Reaktivierung ehemaliger Soldatinnen und Soldaten. Rund 700.000 bis 800.000 frühere Wehrdienstleistende könnten potenziell erneut eingebunden werden – das Problem: Ihre Adressen wurden nach 2011 gelöscht. Künftig soll die Bundeswehr Zugriff auf Meldedaten erhalten, um ein neues, zentrales Reservistenregister aufzubauen. Sukzessive sollen dann auch ältere Jahrgänge wieder angesprochen werden.